Trachten und Heimatverein Rißtaler e.V. Biberach
Ende der Zwanziger Jahre kamen Metzger und Bierbrauer aus Bayern aus beruflichen Gründen ins schwäbische Biberach. Sie brachten ihre malerischen Trachten mit und stießen bald auf den damaligen Handharmonika - Club, wodurch eine glückliche Verbindung von Musik und bayerischen Volkstänzen entstand. Sie erfreuten mit ihren originalen Trachten und kraftvollen Plattlern Auge und Herz (Presse vom 19.3.1938 über eine Veranstaltung im Lautensaal). Der Verein wuchs in den folgenden Jahren, so dass am 16.4.1935 unter dem Namen "Handharmonika - Club Biberach e.V. die offizielle Gründung stattfand. In der Bevölkerung fanden die Auftritte des Vereins großen Anklang, vor allem deshalb, weil zu damaliger Zeit Tracht und Volkstanz in der Gegend praktisch ausgestorben waren. Zudem waren bayerische Schuhplattler bis dahin in unserer Gegend weitgehend unbekannt und somit etwas Neues. Die Aktivität erfuhr wie in den meisten Vereinen während der Kriegsjahre eine Zwangspause: Bis zum Sommer 1948 ruhten die Aktivitäten des Handharmonika – Clubs, danach kam er in Folge personeller Umstrukturierung nicht mehr zum Leben – die Schuhplattler übernahmen die Führung alleine und gründeten am 21.1.1949 den Trachten- und Heimatverein "Rißtaler" Biberach e.V. Die Vereinsfahne zeigt sowohl die bayerische Miesbacher Tracht, als auch die historische Biberacher Bürgertracht um 1840 mit Radhaube. Es folgten einige Jahre reger Vereinstätigkeit unter dem Vorsitz von Eugen Litz, deren Höhepunkt das internationale Trachtentreffen in Biberach am 24.5.1953 war. Wegen Nachwuchsmangels erfuhr in den 60er Jahren das Vereinsleben einen Einbruch, nur dank der Initiative einiger Idealisten wurde im kleinen Kreis das Brauchtum weitergepflegt. Erst im Sommer 1975 wurde der im Vereinsregister inzwischen gelöschte Verein unter Vorstand Heinz Hofer neu gegründet. Satzungsgemäße Bestimmung des Vereins ist seither "Pflege und Förderung des Volkstanzes (...) und der Volksmusik". Neben dem Erhalt der Miesbacher Gebirgstracht wurden v.a. die Pflege und stilgerechte Darstellung der Biberacher Bürgertracht ein Hauptanliegen. Wurden anfangs noch Trachten zu Auftritten ausgeliehen, konnten schon kurz darauf durch viel eigenes Engagement Kleider genäht oder angeschafft werden. Hilfreich waren dabei Bilder des Malers Baptist Pflug, der seinerzeit Biberacher Stadtszenen mit Bürgern in Tracht dargestellt hatte. Schnell entstand auch eine Kindergruppe, die in ihrer stilisierten bayerischen Tracht mit Schuhplattlern und einfachen Figurentänzen das Publikum erfreuten. Auch eine Stubenmusik wurde zusammengestellt, anfangs mit einem Hackbrett, einer Zither und Gesang, heute mit je zwei Ziehorgeln, Hackbrettern, Gitarren, einer Zither und einem Kontrabass. Eine besondere Attraktion wurde die Glockenspielergruppe, die dem Publikum bewies, daß mit Kuhglocken verschiedener Tonlagen, Ziehorgel und Kontrabaß durchaus auch Musik gemacht werden kann. Auch Veranstaltungen, die nicht im direkten Zusammenhang mit den Satzungszielen standen, fanden Zuspruch; so wurde bald das Wochenende auf einer Hütte im Bregenzer Wald ein jährlicher Bestandteil und eine Bereicherung des Vereinslebens. 1979 wurde die Satzung dahingehend geändert, daß die Eintragung als gemeinnütziger Verein möglich war. Ein Anstoß besonderer Art war die von der Stadt Biberach organisierte Reise mit dem Sonderzug "Biberach besucht Biberach" anno 1980. Damals wurde der Grundstock für die Gründung des heutigen Partnervereins Biberach im Kinzigtal gelegt. Ein freundschaftlicher Austausch zwischen den Vereinen findet seither durch gegenseitige Besuche statt. Der Eintritt des THV in den Bodensee Trachtengau 1981 förderte den Kontakt zu weiteren Trachtenvereinen der Region. Zwar waren nun Beiträge an den Gau abzuführen, andererseits kam man jetzt aber auch in den Genuß von Landesfördermitteln, die den Erhalt und die Anschaffung von Trachten erleichterten. 1984 gab Heinz Hofer sein Amt als Vorstand ab, Nachfolger wurde Georg Fackler. Von 1992 bis 1996 wurde der Verein von Otmar Schönfelder geleitet. Seit 1996 bekleidet Egon Fackler das Amt des Vorsitzenden, von 1998 – 2000 von Gerlinde Sulz vertreten. Im Mai 2000 feierte der THV im Rösslesaal Bergerhausen sein 25 - jähriges Jubiläum der Wiedergründung Der THV umfasst heute (Stand Januar 02) ca. 150 Mitglieder, davon etwa 40 Aktive, der Rest passive Fördermitglieder.